Umweltökonomik (4014) 26-09-17 14:36

Was ist Umwelt- und Ressourcenökonomik?

Das Fach Umwelt- und Ressourcenökonomik beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen der Umwelt und der Produktivität und Wohlfahrt einer Volkswirtschaft.

Eine grundlegende ökonomische Funktion der Umwelt ist die des Lieferanten von natürlichen Ressourcen, die seit jeher wichtige Produktionsfaktoren für die Industrie sind – z. B. Energie, Mineralien oder Wasser. Die Ressourcenökonomik untersucht, wie solche Ressourcen optimal – hinsichtlich des „wann“ und „wieviel“ – genutzt werden können. Dabei wird zwischen endlichen und erneuerbaren Ressourcen unterschieden.

Bei endlichen Ressourcen geht es in erster Linie darum, ob und wie rasch bekannte Rohstoffvorkommen abgebaut und konsumiert werden sollten, ohne dass es zu Wohlfahrtsverlusten kommt. Da die Nachfrage bei weltweit gehandelten Rohstoffen wie zum Beispiel Erdöl stark durch den Preis bestimmt wird, gilt das Augenmerk der Ressourcenökonomik auch der Preisbildung auf Ressourcenmärkten.

Im Gegensatz zu endlichen Ressourcen können erneuerbare Ressourcen trotz intensiver Nutzung immer wieder nachwachsen – so wie es z.B. bei Fischbeständen oder Wäldern der Fall ist.  Aus ökonomischer Sicht wird sowohl auf eine nachhaltige Nutzung der Ressource, als auch auf eine angemessene Rendite des darin gebundenen Kapitals geachtet. Diese Rendite wird durch die natürliche Wachstumsrate der Ressource bestimmt, die oft vom noch vorhandenen Bestand abhängt.

Die zweite grundlegende Funktion der Umwelt ist die des Aufnahmemediums für unerwünschte Nebenprodukte von Produktion und Konsum – also Abgase, Abwasser oder Müll. Ökonomisch gesehen ist die Verschmutzung der Umwelt ein freies Gut, weil es keine Marktpreise – etwa für saubere Luft, intakte Ökosysteme oder ein stabiles Klima – gibt.  Allerdings verursacht die Umweltverschmutzung enorme Schäden mit teilweise erheblichen ökonomischen Kosten. Weil der Verursacher diese Kosten nur zum geringen Teil selbst zu tragen hat und größtenteils auf andere abwälzt, stellt Umweltverschmutzung eine negative Externalität dar, die reguliert werden muss.

Die Umweltökonomik beschäftigt sich mit der Frage, wie dies ökonomisch sinnvoll gestaltet werden kann. Dazu wird zunächst durch eine Abwägung der ökonomischen Kosten und Nutzen ermittelt, welches Maß an Umweltverschmutzung gesellschaftlich vertretbar ist. Die ökonomische Bewertung von Umweltschäden ist komplex, daher ist die Entwicklung geeigneter Bewertungsmethoden ein Schwerpunkt der Umweltökonomik.

Außerdem hat die Umweltökonomik, ähnlich der Wettbewerbsökonomik, eine starke regulatorische Ausrichtung: Durch geeignete Politikmaßnahmen soll ein Überschreiten des gesellschaftlich gewünschten Maßes an Umweltverschmutzung verhindert werden. Der feine Unterschied zu „bloßer“ Umweltpolitik besteht darin, dieses Ziel zu minimalen Kosten zu erreichen. Vor diesem Hintergrund haben marktorientierte Maßnahmen wie etwa der Handel mit Verschmutzungszertifikaten an Bedeutung gewonnen.

Von wachsender Bedeutung in der Umweltpolitik sind grenzüberschreitende Umweltprobleme, die nur durch gemeinsame Anstrengungen mehrerer Staaten gelöst werden können. Der globale Klimawandel ist ein Paradebeispiel hierfür. In diesem Zusammenhang tritt die Rolle der kostenminimalen Ausgestaltung von Politikmaßnahmen hinter der gigantischen Herausforderung, Hunderte von Staaten trotz gegensätzlicher Anreize zur Kooperation zu bewegen. Zur Entwicklung von Lösungsansätzen greift die Umweltökonomik auf spieltheoretische Methoden zurück.

Interessiert? Die Abteilung VWL an der Universität Mannheim bietet in ihren Bachelor- und Masterprogrammen verschiedene Kurse zur Umwelt- und Ressourcenökonomik an. Darüber können Bachelor- und Masterarbeiten auf diesem Gebiet betreut werden.